Zerknittertes Polaroid [2024]

Eine Meditation:

Ein zerknittertes Polaroid liegt auf dem Küchentisch –
Fenster in einen analogen Urlaub mit Dir.
Küchenuhr tickt und wirbelt keinen Staub,
Draußen liegt lange verdorrtes Laub.
An den Knitterkanten des Fotos brandet die Ägäis,
Dein braunes Gesicht reflektiert die Sonne,
fast verursacht Dein Delia-braun einen Sonnenbrand in der Küche.
Leichtigkeit entspringt dem Foto, und ich frage mich,
Ob ich es wieder glattziehen soll –
verliert es nicht dann alle Farben, die eine so wunderbare
Komposition ergeben? Für immer in das Grau das Mülleimers?
Wäre da nicht das Olivenöl in meiner Nase –
Deine gelben Schleier ziehen mich an einer Aerosolkette
Zu der Taverne am Strand, vor der die Möwen sitzen,
Und wo wir saßen, um die Farbpalette
Des Sonnenunterganges zu genießen,
Ich höre das Klirren der Weingläser und rieche
Den Duft des Harzes aus dem Retsina
Wird nicht klebrig und ist eher sakral wie Weihrauch.
Wenn Du vor der Komplexität Deiner AI-Lösung stehst,
Dann sehnst Du Dich nach der Einfachheit der Vergangenheit,
Nach dem Sitzen im Hier und Jetzt –
Du könntest das Polaroid einscannen,
Dann hättest Du es Digital für immer in Bytes gemeißelt
Doch Du pinnst es an die Pinwand – nicht nur an Sie,
Sondern auch an Dein Herz.
Gut so.


Dazu passt folgender Song:








Kai

About the author

Geboren 1971 in Gießen / Hessen, Lyrik-Autor

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.