Nur ein Hauch von Dir [2020]

Es war auf der Fähre, wir fuhren nach Naxos.
der Wind blies entlang, die Fahrtluft relaxt uns.
Wir starrten auf Inseln, die Farbkleckse gleich,
niemand vermisst uns – das Leben so leicht.
An Deck öffnete sich mit Elan eine Tür
und du tratest heraus, ich wusst nicht wofür.
Dein Haar eine Fahne, die flatternd im Wind
Duftmoleküle diffundieren geschwind –
Es war nur ein Hauch von Dir – Zeit bebt und ist still,
wehendes Haar, mein Herz sagt ich will
du spieltest kein Cello, das dachte ich gleich –
und warst doch ‘ne Göttin an Anmut so reich.

Die Zeit ging im Flug, wir liefen durch Chora –
Gedanken bei Dir, es war nur kein oder,
ich hoffte so sehr, einen Blick zu erhaschen,
was gäb’ ich dafür, dich mit Wort überraschen,
ein Blick Deiner Augen sticht sicher ins Herz,
Der Kloß im Hals bumpert, die Welt liegt im Schmerz.
Am Strand hab’ ich lange nach Dir geschaut,
in Clubs traf ich nicht, das was mich erbaut.
Es war so, als ob sich der Erdboden schält,
Du steckst nun im Kopf, so fix, dass es quält.
Der Trip geht vorüber, zu Ende erzählt?
Wir fuhren nach Hause, du warst ungesehen,
ein Hauch von Dir blieb, ich konnt’ nix verstehen.

Nun sitz’ ich im Garten, die Schläfen werden grau,
und meine Familie ist glücklich erbaut.
Wir sind leicht gealtert, mit Häuschen und Hund,
wir arbeiten hurtig, ernähr’n uns gesund.
Wie stehen früh auf, und tun unser Werk
des abends Programm, Samstag ist viel wert,
und lieg’ ich derweil bei Muße im Garten
ich schließe die Augen, der Spaten muss warten,
die Seelentür öffnet sich, ich sehe Dich vor mir,
Dein Haar wallt im Wind, Deine Jugend ist bei mir,
Du bist nie gealtert, du schaust von der Fähre,
Essenz aller Frauen, trotzt jeder Schwere,
Für mich wirst Du immer im Traume das sein,
was einst mal war, dein Haarduft so fein.

Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich “Because the night” von Patti Smith gehört.

Bild: Pixabay

Kai

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