Im Fluss [2020]

Du wurdest geboren am Fluss, du bist gegangen am Fluss –
als Sie Dein Fahrrad brachten, da war es so, als ob nichts passiert war,
als ob Du es wie einen lästigen Ballast einfach abgeworfen hast,
um den Weg zu Deinem Ziel ein wenig zu beschleunigen.
Dein Leben war im Fluss – Der Telefonanruf brachte nur Klarheit –
obschon doch die Hebamme gerufen hat: “Rudolf, schon wieder ein Bub”.
Läufer auf dem Hoherodskof, Buchstaben fliegen in der Linotype zu 
einer bleiernen Semantik – spätestens da waren es die Worte, die Dich in 
Deinem Element bestätigt haben. Mit den Worten bei Dir war es wie
mit dem Wasser – Wasser findet seinen Weg.
Als wir dereinst nach Andalusien geflogen sind, da war Dir nichts von
Deinen Sorgen anzumerken – in Deiner stoischen Ruhe hast Du all das
vor mir ausbalanciert mit einem Lächeln und mit einem großen Wohlwollen.
Ich sehe mich in den 80ern, wie ich mir dein “Presse – freie Fahrt” – Schild
ausgeliehen habe, ich sehe Deine Begeisterung, die Du bei Deinen Projekten
an den Tag gelegt hast – oft hast Du anderen die Stirn geboten, denn Du 
konntest auch kämpfen.
Wenn ich “Exile on Main Street” von den Stones höre, dann muss ich an
Dich denken, denn Du warst im positivsten Sinne ein “Street fighting Man”.
Letztlich bist Du nicht dort stehen geblieben, worum sich Dein ganzes Leben gedreht hat,
Dir war es vergönnt, aus deinen gewohnten Kreisen auszubrechen
und im Alter über den Tellerrand zu schauen – Es war Dir vergönnt, im Alter die
befriedigende Weisheit zu finden, und das ist gut so. Du hast immer gesagt:

“Ein Mann muss wissen, was er will,
wer will und nicht kann,
fängt besser nicht an.
Zum Wollen gehört Mut –
denn Wollen heißt auch kämpfen.”

Das tue ich jeden Tag.

 

In Gedenken an meinen Vater. 

 

Dazu passt folgende Musik:

Kai

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