Biedermeier [2023]

Wir sitzen am Tisch in vorderster Reihe,
Die Party, sie rauscht, der Anzug aus Leihe.
Wir gehen, wir stehen, wir tanzen wie wild,
Das Morgen ist morgen, der Wein ist sehr mild,

Wir sehen nur uns, wir dreh’n um uns gar,
Die Kurse am Laufen, die Sorge so rar.
Wir fahren ein Auto, das von Lithium fährt,
Wir sehen nicht klar, dass etwas andere stört.
Wir leben in einer gepolsterten woken Heimburgenwelt
Die nur sich selbst darstellt, in Wahrheit sitzen wir im Zelt,

Wir sehen nicht die Tiere, das Rudel am Streunen,
Nach langer Zeit ist die Zeit aus zum Träumen.
Was alles uns herum auf den Drehteller passiert,
Wird beim Prosecco garantiert ausradiert.

Wenn Du denkst Du wirst gerne regiert,
Und du meinst das Dir gar nichts passiert,
Doch gleichzeitig macht es Dir irgendwie Angst
Wie der Gespensterball auf der Straße tanzt,
Inhalierst Du bis zum Dessert den Biedermeier.
Sitzt schon der Vormärz mit am Tisch und an der Leier.

Drum ziehe dich zurück aus Deinem Rückzugsort,
und gehe ganz weit und nicht nur in Gedanken fort,
Lass Dich nicht von den Winden umwehen,
Ihr seid deutlich mehr und Ihr werdet gesehen.

Dazu passt am Besten folgende Musik

Bild: https://pixabay.com/de/photos/innere-wohnzimmer-m%C3%B6bel-zimmer-1961070/

Kai

About the author

Geboren 1971 in Gießen / Hessen, Lyrik-Autor