Ich grille! [2020]

Als das Lamm das erste Siegel öffnete –
entsprang eine kleine Fettkugel in Wuhan
mit RNA Molekül und Spike-Protein,
sprang gierig, von Mann zu Mann
feierte in Tirol in Ischgl –
kam zu uns nach Haus und reproduzierte
sich in saus und braus –
ich dachte mir, du bist wirklich göttlich –
pure exponentielle Mathematik zu Hauf.
Die Krone der Schöpfung waren wir,
billige Kopiermaschinen heute sind wir
aber:

Ich grille!

Du jagtest uns also in unsere Häuser,
kleiner Fettfleck mit Intelligenz.
Drei Klopapierrollen weiter war es
als ginge es vorbei mit der Resilienz.
Am Anfang dacht’ ich, du jüngstes Gericht
das Ende der Spezies in Sichtweite naht,
doch irgendwann merkt ich dass du alles offenbarst
warum die Erde uns abschütteln vermag.
Wir verkriechen uns in unser zwei Meter Asyl –
am Strand schlüpfen Schildkröten so viel wie noch nie.
die Tiere dereinst in den Wald gebannt,
kommen nun zum Gartenzaun gerannt.
Aber:

Ich grille!

Und ginge auch morgen die Welt doch unter –
den Apfelbaum ich dennoch pflanzen tät.
denn wie es gekommen, so wird es vergehen
Liebe und Versöhnung sind niemals zu spät.
Ich hacke die Spänchen, das Feuer geht an
mich zieht kein Virus mehr in seinen Bann
gleich bruzzelt das Steak, die Würstchen sind gar.
gelöscht wird mit Bier, so weit und so klar.
Was immer auch ist, wir halten zusammen,
ein dämliches Virus wird uns nicht verrammen,
Was immer auch war, und sein wird und ist,
dieser Moment ist ein Urlaub, der erfrischt.
Denn:

Ich grille!

P.S.: Lasst Euch nicht unterkriegen. Musialisch passt ganz gut “The four horsemen” von Aphrodites Child dazu.

Bild: Pixabay

Kai

About the author