Nadine [1990]

Du führtest mich in Dein Zimmer, Nadine,
das durchtobt war von einer Musik, wie man sie in
Charterflugzeugen vorgespielt kommt, kurz for dem Start.

Dein Zimmer, keusch, Jungfräulichkeit in jeder Ecke versteckt –
das saubere Sofa, die Nippesfigur im Setzkasten, von dem Poster über
Deinem Schreibtisch fehlt der linksuntere Teil, den Du bei einem Streit über
Gott und die Welt herausgerissen hast.

Es ist so sauber; hast Du den Staub, der die Möbel bedeckt hat, auch
ja in der Tonne versenkt, denke ich mir?

Deine Gesten rücken mir auf die Pelle, Du lenkst ab, um dann zum Ziel
zu kommen – ein Paradigmenwechsel mit fünf Buchstaben.

Deine Geldbörse von der letzten Sause hockt im Halbdunkel – Sie procht darauf,
geöffnet zu werden – Du willst, das Deine Einsamkeit endlich überwunden wird.
Nein, Nadine, Du verkaufst Dich, hündisch wimmernd um einen Brocken
meiner Gunst, aber ich schaue vorbei.

Nadine, denk’ an mich, aus scheinbaren Sachzwängen wächst Ignoranz, destruktiv
und unerbittlich.
Doch, Nadine, wer beschäftigt mich dann noch – höre ich mich überhaupt?

Foto: Pixabay

Kai

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