Das Meer in mir [2021]

Peitschende Gischt, kann nicht vergessen machen
dass die Luft, die ich atme, herbstschwanger ist –
Feuchtigkeit wird nicht wegradiert, die Brandung 
donnert malstromartig an die Felsbarriere.

Wir sind zu viel “man” und zu wenig ich –
Ja klar, die Tür ist zu, aber man kann doch was drehen,
denke ich – Whatsapp kann nicht lügen
aber der eine Haken überzeugt mich.
Schnelle Fahraddturns definieren mein Spielfeld
schnelle Stadt schafft schellen Raum zum Gehen –
Er legt die alten Hits auf, und dein Cuba Libre
zeugt von einer Zeit der Billigurlaube.
Die Sonne über mir holzt meine grauen Gedanken weg,
und die Shoppingmeile mit Ihren Gelegenheiten
verdeutlicht uns die Bedeutung des Faktors Zeit.
der Café balanciert das Glas Bier aus,
und das Pesto auf den Nudeln neutralisiert das Fleisch,
ich denke, “hol mich raus aus dieser Matrix”,
doch die Matrix-Telefonzentrale ist nicht erreichbar –
keine Chance – Visa zahlt.

Endlich bin ich im Wald, und meine Füße müssten federn –
ich streife durch den Häuserwald und sehe den Wald
vor lauter Bäumen nicht.
Autos sind die Mücken unserer Epoche –
mal lästig, mal zielführend,
jede Stadt hat Höhlen, denke ich.
Die Plakate der letzten Vernissage
weisen auf den Aufstand der Hobbits
längst angerissen und vorgestrig.
Wir streben alle zeitig auf ein Ziel zu,
wenn auch nicht auf ein Ziel, dass auf die
Spitze der Maslowschen Pyramide hindeutet.
Manche leben, indem sie fliegen,
Andere überleben, indem sie auf dem Trottoir bleiben.
Der Takt dieses Waldes, der uns schubst
ist unser Raum-Zeit-Kontinuum in der
Blase unseres Seins.

Das Meer in mir ist die Brandung, 
die alle Felszacken überdeckt und alles egalisiert.
Trotz Wasser rinnen die Tränen trocken,
der Horizont glättet die Wogen.

Dazu passt folgende Musik:

 

Kai

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